Materialaufschlag berechnen: Rechner und was im Handwerk üblich ist
Du kaufst Material für 500 € ein. Was schreibst du dem Kunden auf? Zum Einkaufspreis weitergeben ist fast nie die richtige Antwort, denn Material kostet dich mehr als die Zahl auf der Lieferantenrechnung. Der Materialaufschlag deckt genau das ab. Mit dem Rechner unten siehst du in ein paar Sekunden, was bei deinem Einkaufspreis und deinem Satz herauskommt.
Verkaufspreis netto
575,00 €
Verkaufspreis brutto
684,25 €
brutto inkl. 19 % MwSt.
- 75,00 €
- Aufschlag in €
- 13 %
- Marge auf den Verkaufspreis
Aufschlag und Marge sind nicht dasselbe: Der Aufschlag bezieht sich auf den Einkauf, die Marge auf den Verkaufspreis (Marge = Aufschlag ÷ (1 + Aufschlag)).
Was ist der Materialaufschlag?
Der Materialaufschlag ist der Prozentsatz, den du auf den Einkaufspreis eines Materials draufrechnest, bevor du es dem Kunden berechnest. Aus 500 € Einkauf werden bei 15 % Aufschlag 575 € netto.
Das ist kein Gewinn im engeren Sinn. Ein Teil davon sind Kosten, die du sonst aus eigener Tasche zahlst, der Rest bleibt als Ertrag übrig.
Warum du Material nicht zum Einkaufspreis weitergeben solltest
Auf der Lieferantenrechnung steht nur ein Teil dessen, was das Material dich wirklich kostet:
- Beschaffung: Du suchst Angebote raus, bestellst, fährst zum Großhandel oder nimmst die Lieferung an. Das ist bezahlte Arbeitszeit, die in keinem Stundensatz für den Kunden auftaucht.
- Vorfinanzierung: Du zahlst den Lieferanten oft, bevor dein Kunde dich bezahlt. Dieses Geld fehlt dir in der Zwischenzeit.
- Lagerung und Schwund: Reste, Verschnitt, beschädigte Ware, Kleinteile, die du nie einzeln abrechnest. Das summiert sich.
- Gewährleistung: Bei Bauleistungen haftest du je nach Vertrag vier bis fünf Jahre für das, was du verbaut hast (BGB und VOB/B regeln das unterschiedlich). Geht ein Bauteil kaputt, trägst du erst einmal den Austausch, auch wenn der Hersteller nur einen Teil erstattet.
Zusammen kommt da schnell eine zweistellige Prozentzahl zusammen. Wer Material ohne Aufschlag verkauft, arbeitet an dieser Stelle umsonst.
Wie hoch darf der Aufschlag sein? Richtwerte 2026
Eine feste Zahl gibt es nicht, und die Quellen widersprechen sich. Als Orientierung:
- Üblicher Bereich: etwa 10 bis 30 %, je nach Gewerk, Materialart und Auftragsgröße. Bei teurem Material (Fenster, Heizkörper, Geräte) liegt der Satz eher unten, bei günstigem Kleinmaterial deutlich darüber.
- Höhere Sätze: Manche Betriebe rechnen bewusst mit 40 bis 60 % und begründen das mit genau den Kosten oben. Das wird in der Branche offen diskutiert und nicht als unseriös abgetan.
- Grenze: Eine gesetzliche Obergrenze gibt es für Materialaufschläge nicht. Bei extremen Aufschlägen deutlich über 100 % kann es aber rechtlich eng werden (Stichwort Sittenwidrigkeit, § 138 BGB). Im Zweifel hilft eine kurze Rückfrage bei deiner Handwerkskammer oder deinem Steuerberater.
Wo du landest, hängt von deinen Gemeinkosten ab. Wer sie sauber kennt, muss nicht raten. Die ermittelst du in der Excel-Vorlage zur Stundensatz-Kalkulation.
Aufschlag ist nicht gleich Marge
Hier stolpern erstaunlich viele. 15 % Aufschlag auf 500 € Einkauf heißen: Du verkaufst für 575 €. Dein Ertrag sind 75 €, bezogen auf den Verkaufspreis aber nur 13 %.
Aufschlag und Marge sind zwei verschiedene Prozentzahlen, weil sie auf unterschiedliche Basen rechnen. Der Aufschlag bezieht sich auf den Einkauf, die Marge auf den Verkauf. Wer 20 % Marge erreichen will, braucht deshalb 25 % Aufschlag, nicht 20. Der Rechner oben zeigt dir beide Werte nebeneinander.
Rechenbeispiel
- Einkaufspreis Material: 500 € netto
- Materialaufschlag: 15 %
- Aufschlag: 500 € × 0,15 = 75 €
- Verkaufspreis netto: 575 €
- Verkaufspreis brutto (19 %): 684,25 €
- Marge auf den Verkaufspreis: 75 € ÷ 575 € = 13 %
Verkaufspreis = Einkaufspreis × (1 + Aufschlag in %)
Muss ich den Aufschlag auf der Rechnung ausweisen?
Nein, nicht von dir aus. Im Angebot steht das Material mit dem Verkaufspreis, nicht mit Einkaufspreis plus Aufschlag. Anders ist es, wenn ihr vertraglich vereinbart habt, dass Material nach Einkaufsnachweis abgerechnet wird. Dann darfst du nur aufschlagen, was ausdrücklich vereinbart ist. Bei Aufträgen mit VOB/B lohnt sich ein genauer Blick in den Vertrag.
Wichtig ist, dass der Kunde den Preis vor Auftragsvergabe kennt. Dann gibt es hinterher keine Diskussion.
Der Materialaufschlag ist nur ein Teil deines Angebots
Ein Angebot besteht aus Arbeitszeit, Material und oft Fahrtkosten. Ein sauberer Materialaufschlag hilft wenig, wenn dein Stundensatz zu niedrig angesetzt ist. Die drei Bausteine gehören zusammen:
- 1.Stundensatz: Was deine Arbeitsstunde wirklich kosten muss. Dafür gibt es den Stundensatzrechner und die Excel-Vorlage.
- 2.Material: Einkaufspreis plus Aufschlag, wie oben.
- 3.Zusammenführen: Im Angebotsrechner setzt du beides zu einer Angebotssumme zusammen.
Als Vergleich für deinen Stundensatz taugt der Preisindex 2026 mit den Spannen für neun Gewerke.
Häufige Fragen
Ist ein Materialaufschlag erlaubt?
Ja. Eine feste gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Erst bei extrem hohen Aufschlägen oder wenn vertraglich etwas anderes vereinbart wurde, kann es Probleme geben.
Wie viel Materialaufschlag ist üblich?
Meist 10 bis 30 %, je nach Gewerk und Material. Einzelne Betriebe liegen bewusst höher. Dein eigener Satz sollte sich aus deinen Gemeinkosten ergeben, nicht aus einem Durchschnitt.
Muss ich den Aufschlag separat ausweisen?
Nein. Im Normalfall steht im Angebot der Verkaufspreis des Materials. Ausnahme: Es wurde Abrechnung nach Einkaufsnachweis vereinbart.
Was ist der Unterschied zwischen Aufschlag und Marge?
Der Aufschlag bezieht sich auf den Einkaufspreis, die Marge auf den Verkaufspreis. 25 % Aufschlag entsprechen 20 % Marge.
Gilt der Aufschlag auch für Kleinmaterial wie Schrauben und Dübel?
Kleinmaterial rechnen viele Betriebe nicht einzeln ab, sondern pauschal in den Aufschlag oder den Stundensatz ein. Entscheide dich für eine Variante und bleib dabei.
Weitere Ratgeber
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Die Hinweise zu Gewährleistung und Vertragsrecht sind eine Orientierung und keine Rechtsberatung.